Für mehr Selbstbestimmung bei der Geburt.
Offenburg (st). Die Frauenklinik am Ortenau Klinikum Offenburg-Kehl freut sich über eine Spende in Höhe von rund 6.500 Euro zur Einrichtung eines sogenannten Be-Up Kreißsaals. Die Ausstattung wurde von Vertretern der Bürgerstiftung Offenburg und des Frauennetzwerks symbolisch an Klinikdirektor Mathias Halsinger, Chefarzt Dr. Andreas Brandt und die leitende Hebamme Ingrid Vogt übergeben.
„Be-Up“ steht für „Birth environment – Upright position“ und ermöglicht Frauen mehr Bewegungsfreiheit und Selbstbestimmung während der Geburt. Der speziell ausgestattete Kreißsaal verzichtet auf ein klassisches Gebärbett und bietet stattdessen unter anderem Matten, einen Gebärhocker sowie verschiedene Schaumstoffelemente zur Unterstützung aufrechter Gebärpositionen. „Dank dieser Spende können wir unseren Patientinnen ein modernes, bewegungsfreundliches Geburtsumfeld bei gleichbleibend hoher medizinischer Sicherheit bieten“, betonte Klinikdirektor Mathias Halsinger. Auch die leitende Hebamme Ingrid Vogt sieht in der neuen Ausstattung einen großen Gewinn für die Geburtshilfe und die individuelle Begleitung der Frauen.
Realisierung von Projekten
Vermittelt wurde die Spende durch Verena Schickle, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Offenburg. Der Be-Up Kreißsaal basiert auf der deutschen Studie „Be-Up: Geburt aktiv“ und soll zu einer positiven und selbstbestimmten Geburtserfahrung beitragen.
Am Ortenau Klinikum Offenburg-Kehl werden jährlich rund 2.200 Kinder geboren. Spenden wie diese sind von großem Wert, da sie es der Klinik ermöglichen, Projekte zu realisieren, die durch die reguläre Krankenhausfinanzierung nicht abgedeckt werden können.
Wer die Arbeit des Ortenau Klinikums und die Finanzierung weiterer Spendenprojekte unterstützen möchte, findet nähere Informationen unter ortenau-klinikum-spenden.de.
Gewalt gegen Frauen ist allgegenwärtig. Aufrüttelnde Plakate auf der Passerelle sollen Aufmerksamkeit wecken und die neue orangefarbene Bank auf dem Wasserspielplatz Hilfe bieten.
Von Nina Saam.
Kehl. Am Donnerstag fanden die letzten beiden Aktionen zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen statt. Zunächst wurde am Wasserspielplatz eine orangefarbene Bank eingeweiht, auf der sich ein Schild mit deutschen und französischen Telefonnummern und
einem QR-Code befindet. Hinter diesem verbergen sich Adressen von Anlaufstellen für Frauen in Not, wie das Frauen- und Familienzentrum oder der Verein "Frauen helfen Frauen", der das Frauenhaus in Offenburg betreibt.
"Subtiles Hilfsangebot"
"Diese Bank ist ein subtiles Hilfsangebot", sagte Katharina Schaefer, die das Projekt in Kehl maßgeblich initiiert hat. "Sie ist ein gewisser geschützter Raum in der Öffentlichkeit. Frauen können sich hier hinsetzen und schnell den Code abknipsen."
Der Wasserspielplatz, der von vielen Frauen und Familien frequentiert wird, sei für dieses Hilfsangebot ideal, meinte Oberbürgermeister Wolfram Britz in seinem Grußwort. Rund ein Drittel aller Frauen erlebten in ihrem Leben Gewalt in der Partnerschaft; hunderte werden Opfer
eines Femizids, 14.000 Frauen hätten im letzten Jahr Schutz in einem Frauenhaus gesucht.
"Oft wird Gewalt als ein Problem des öffentlichen Raums und der Straße dargestellt", sagte Britz. "Die Realität ist aber eine andere." Gewalt im Familien-Umfeld geschehe in allen Altersklassen, in allen Schichten der Gesellschaft – und oft im Verborgenen. “Und gerade deshalb wollen wir es hier sichtbar machen. Die Bank soll Appell und Mahnung zugleich sein, nicht wegzusehen.”
Britz erinnerte daran, dass es bereits die zweite orangefarbene Bank in Kehl ist: Im letzten Jahr wurde im Rheinvorland die "Babbelbank" eingeweiht, initiiert vom Arbeitskreis Seelische Gesundheit, ebenfalls ausgestattet mit einem QR-Code, hinter dem sich die Adressen von
Beratungsstellen verbergen. Damit sei die Bank am Wasserspielplatz die zweite Bank, die auf gesellschaftliche Missstände hinweist und Hilfe bietet.
Finanziert wurde die Bank vom Fachausschuss gegen häusliche Gewalt der Bürgerstiftung Kehl, den Soroptimistinnen und dem "Inner Wheel Club". Umgesetzt wurde das Projekt von den Azubis des städtischen Bauhofs.
Plakate und Schicksale
Im Anschluss zog eine Gruppe von etwa 20 Frauen zur Passerelle, wo sie im eisigen Wind mit klammen Fingern Femizid-Plakate am Geländer befestigten. Darauf sind die Schicksale der 69 Frauen nachzulesen, die seit Jahresbeginn bis Anfang September ermordet wurden, weil sie eine
Frau sind – darunter auch jenes über die 84-jährige Seniorin aus dem Kronenhof, die in ihrem eigenen Haus sexuell missbraucht und ermordet wurde. Die Femizid-Plakate werden bis zum 10. Dezember hängenbleiben – dem internationalen Tag der Menschenrechte.
Krankheitsforschung und -diagnostik ist meistens auf Männer ausgerichtet – was gravierende Folgen für Frauen haben kann. Dies ist Thema beim dritten Brunch der Ortenauer Soroptimistinnen.
Von Nina Saam.
Kehl. Der Soroptimist Club Offenburg-Ortenau lädt am Sonntag, 21. September, zum dritten Netzwerk-Brunch ins Foyer der Kehler Stadthalle ein. In den letzten beiden Events hatten sich die Soroptimistinnen mit Frauen in der Kommunalpolitik und mit Künstlicher Intelligenz beschäftigt. Diesmal ist ein medizinisches Thema dran. Unter dem Titel „Gendermedizin – Frauen sind keine kleinen Männer“ wird Gabriele du Bois, Stuttgarter Fachärztin für Humangenetik, einen Einblick in die Situation in Forschung und Diagnostik geben, denn aktuell werden Frauen in der Medizin nicht genug berücksichtigt, schreiben die Soroptimistinnen. Das kann gravierende Folgen haben, zum Beispiel Fehldiagnosen, falsche oder zu späte Behandlungen oder starke Nebenwirkungen bei der Medikamentengabe.
Humangenetikerin
Gabriele du Bois hat von 1993 bis 2024 in Stuttgart eine humangenetische Praxis geleitet. Dort werden genetische Untersuchungen wie Chromosomen- oder Genanalysen durchgeführt und Patienten oder Ratsuchende beraten, beispielsweise bei Erbkrankheiten, in der Pränataldiagnostik oder bei erblichen Tumoren. Seit über 25 Jahren ist sie Mitglied im Deutschen Ärztinnenbund, einem Verband, der sich um die Interessen der Ärztinnen und Patientinnen kümmert und sich schon sehr lange für die Gendermedizin einsetzt. Gabriele du Bois leitet dort den Ethikausschuss und engagiert sich im Ausschuss für geschlechtersensible Medizin. Um den Frauenanteil in den ärztlichen Gremien zu erhöhen, hat sie sich zudem in die Ärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung von Baden-Württemberg wählen lassen und ist dort in verschiedenen Arbeitsgruppen und Ausschüssen tätig. Einlass ist ab 11 Uhr, der Brunch startet um 11.30 Uhr. Wenn alle gesättigt sind, findet im Anschluss der Vortrag von Gabriele du Bois statt. Der Eintritt inklusive Buffet und Getränke liegt bei 35 Euro, Schülerinnen und Studierende zahlen 20 Euro.
Beim zweiten Netzwerk-Brunch des Service-Clubs Soroptimist International Offenburg-Ortenau drehte es sich am Sonntag um das Thema Künstliche Intelligenz
Von Nina Saam
Kehl. Wie intelligent ist die Künstliche Intelligenz (KI), beziehungsweise die KI-Systeme,die schon heute viele Lebensbereiche durchdringen, und wie gerecht sind diese vonAlgorithmen gesteuerten Programme? Diesen Fragen gingen die beiden Referentinnenbeim Netzwerk-Brunch der Soroptimistinnen in der Kehler Stadthalle und die rund 50Besucherinnen am Sonntag nach.
Dass es mit der Gerechtigkeit nicht weit her ist, wurde schnell deutlich. Die Psychologinund Wissenschaftlerin Jessica Wulf, die zum Thema „KI und Diskriminierung“ forscht,zeigte anhand einiger Beispiele, dass die KI mitnichten objektiv und neutral ist. „DerBegriffKI suggeriert Nähe zu menschlicher Intelligenz“, sagte sie. Passender sei aberder Ausdruck „Automatische Entscheidungssysteme“, technische Systeme, die anhandder an sie verfütterten Daten Entscheidungen treffen, die für Betroffene weitreichendsein können, beispielsweise ob sie einen Job, staatliche Unterstützung oder einenKredit bekommen – oder ein Passfoto, wie das Beispiel einer schwarzen Frau zeigte,die im Fotoautomat der Bundesdruckerei kein biometrisches Passfoto machen konnte,weil die Gesichtserkennungssoftware ihr Gesicht nicht erkannte.
„Die KI ist ein Spiegel der Gesellschaft“, sagte Jessica Wulf. „Wenn in einer GesellschaftDiskriminierung herrscht, wird das auch in die KI-Systeme implementiert.“ In vielenDatensätzen, mit denen eine KI trainiert wird, seien Frauen und People of Colourunterrepräsentiert, ebenso wie im Internet, mit dem „large language models“ wie Chat-GPT „lernen“. Zudem seien die Entwicklerteams stark männerdominiert, was dieAuswahl der Daten ebenfalls beeinflusse.
Die zweite Referentin, die EU-Abgeordnete Alexandra Geese, sprach vom „ParadoxKünstliche Intelligenz“: „Die Zukunft wird mit neuester Technik und historischen Datengeschaffen“, sagte sie. Frauen hätten in jeder Gesellschaft Benachteiligung erfahren,sei es beim Einkommen, beim Vermögen oder in der ihr zugewiesenen Rolle alsHausfrau und Gattin, die ihren Mann um Erlaubnis fragen musste, wenn sie arbeitenwill. Auch sie lieferte Beispiele, in denen Frauen von KI-Systemen übervorteilt werden.Vielen Firmen mit Männern besetzten Chefetagen sei es egal, ob ein Jobangebot alleMenschen erreiche. „Das kann man korrigieren, wenn man das will“, sagte sie. Dabeikann es auch um Leben oder Tod gehen, wie die Gesichtserkennungssoftware zeigt:Die Gesichter weißer Männer hat die KI zu fast 100 Prozent erkannt, die schwarzerFrauen nur zu 67 Prozent. „Was, wenn diese Software in einem selbstfahrenden Autoeingesetzt wird, um auf die Straße Fußgänger zu erkennen?“, fragte sie.
Daneben gebe es noch andere Risiken durch KI: Frauen, Nicht-Weiße oder queereMenschen seien überdurchschnittlich oft von Hass und Hetze im Netz betroffen.Zudem seien die Algorithmen so optimiert, dass solche Inhalte eher gezeigt werden,weil sie mehr Aufmerksamkeit bekommen – und somit auch die eingebetteteWerbung. Geese sprach auch die „Schönheitsfilter“ etwa auf Instagram an, die vorallem junge Mädchen verunsicherten, wie auch die bildbasierte sexuelle Gewalt aufPornoplattformen. Dagegen vorzugehen sei nicht leicht: „Wir haben bei den sozialenNetzwerken eine Machtkonzentration von fünf großen Unternehmen, wie es sie nochnie zuvor gegeben hat“, sagte sie.
Die EU sei der erste Kontinent, der eine KI-Verordnung erlassen hat, was per se positivsei. Enttäuscht sei sie aber, dass es darin keine Pflicht zur Vermeidung vonDiskriminierung gebe, so Geese. Diskriminierung sei dabei kein technisches, sondernein gesellschaftliches Problem. „Man muss sich einmischen, nachfragen und fürdasselbe kämpfen, wofür wir in der Gesellschaft kämpfen: die Gleichberechtigung“,sagte sie.
Die Soroptimistinnen laden erneut zum Netzwerk-Brunch. Zu Sekt und Häppchen gibt es spannende Vorträge zum Thema Künstliche Intelligenz.
Kehl (red/nsa). Der Club Sor-optimist International Offenburg-Ortenau veranstaltet am Sonntag, 14. Juli, in der Kehler Stadthalle seinen zweiten Netzwerk-Brunch. Nach den Vorträgen zweier hochkarätiger Referentinnen besteht die Möglichkeit, sich bei einem Gläschen Sekt und einem reichhaltigen Brunch-Buffet mit den Anwesenden auszutauschen und zu vernetzen, schreibt der Club in einer Pressemitteilung.
„Künstliche Intelligenz – Chance und Risiken für Frauen“ lautet das Thema des Vormittags, zu dem es zwei Impulsreferate geben wird, die spannende Einblicke in die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der KI und die damit verbundenen Vor- und Nachteile bieten werden. Daran schließt sich eine Diskussionsrunde an.
Jessica Wulf ist Psychologin mit Schwerpunkt auf Arbeit und Bildung und Projektleiterin bei Algorithm Watch, einer NGO, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Prozesse algorithmischer Entscheidungsfindung, die eine gesellschaftliche Relevanz haben, zu betrachten und einzuordnen. Derzeit forscht sie zu Partizipation in Veränderungsprozessen und ethischen Aspekten von KI-Systemen und hält Vorträge zum Thema KI-Systeme und Diskriminierung.
Die Europa-Abgeordnete Alexandra Geese ist sogenannte „Schattenberichterstatterin“ bei den Verhandlungen des Digital Service Act, einer Verordnung der EU zu den Haftungs- und Sicherheitsvorschriften für digitale Plattformen, Dienste und Produkte.
Der Netzwerkbrunch der Soroptimistinnen findet am Sonntag, 14. Juli, von 11 bis 15 Uhr statt, Einlass ab 10 Uhr. Der Eintritt beträgt inklusive Buffet und Getränke 30 Euro pro Person, ermäßigt – Jugendliche, Studierende – 15 Euro. Anmeldungen werden anhand der Überweisung des Unkostenbeitrags auf das Konto des Clubs vorgenommen: SI Club Offenburg-Ortenau, DE06 6645 0050 0000 0360 39, Verwendungszweck: Brunch 24.
Unter den Teilnehmenden am Netzwerk-Brunch werden zudem spannende Führungen von Frauen in besonderen Positionen ausgelost – unter anderem gibt es eine Führung im Bereich Kultur, im Straßburger Münster, bei der Feuerwehr durch eine Feuerwehrfrau oder auf einem Biobauernhof zu gewinnen.